Mit einem Freunde trank ich Tee.
Wir schauten ´raus auf einen See.
Glänzend lag die Oberfläche - in der Sonne:
Fische spielten, Mücken tanzten, - welche Wonne.
Frieden wehte her vom Strand.
Was war es nur, das uns verband?
Ich sagte zu ihm: schau dir an,
was die Natur so alles kann!
Nimm deinen Pinsel, male mir,
was du jetzt siehst: ich wünsch´ es mir.
Halte fest die ganze Pracht,
die, wie von selbst, ist hier erwacht.
Das ist doch einfach, sagt er keck,
nur hier und da ein bunter Fleck.
Ein Bild zu malen ist nicht schwer;
zu reimen jedoch - un-end-lich mehr!
Hier widersprech´ ich sehr erregt:
du weißt genau, was mich bewegt.
Die Reime sind alsbald gemacht.
Das ist ganz leicht - das ich nicht lach´!
Es ist ganz leicht, ein Bild zu malen,
entgegnet er; da ist der Rahmen.
Das Wasser blau, mit ein paar Wellen,
die Enten dort oben, an den Quellen,
ist doch schon alles, was man braucht! - -
Der Schornstein, der dort hinten raucht,
Der Schornstein, der dort hinten raucht,
die alte Dame, mit ihrem Hund,
kommt rechts – hier – in den Vordergrund.
Die kleine Schar der hübschen Mädchen,
aus diesem arg verträumten Städtchen,
mal eben auf´s Papier gebracht
und schon hast du die ganze Pracht!
Ich war erstaunt und sage bloß,
dass du das kannst, find ich famos!
Für mich wär´ dieses eine Plage
und brauchen würd´ ich tausend Tage.
Was dabei rauskommt, glaub´ es mir,
ist nicht sooo viel wert, wie das Papier. –
Auch weiß ich aus einem Unterricht,
die Hand ist mutig, aber das Auge nicht.
So würde denn aus meinem Schaffen,
ein Bild, gemalt – wie von einem Affen.
Also bleib ich bei dem Reimen
und, so will es mir auch scheinen,
dass du als Maler malen musst,
denn sonst zerreißt es dir die Brust.
Eile zur Leinwand, Pinsel, Farbe
und bei deiner großen Gabe,
ist das Bild bald hergestellt
und ich weiß, dass es mir gefällt!
Dein „Auge“, das den Pinsel hat geführt,
hängt bald als Bild – am Eingang an der Tür.
©
Mst 050607
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