Donnerstag, 20. August 2015
Flüchtlinge
Walter Meister
Flüchtlinge
Eine junge Frau geht auf einer Landstraße entlang der Wohnung zu. Sie schiebt
einen Kinderwagen mit einem gerade drei Wochen alten Säugling darin. Es ist ein milder Septembernachmittag und die Sonne steht etwas höher als der Horizont. Die junge Mutter hat Lebensmittel eingekauft und will das Abendessen vorbereiten,
so, daß das Essen fertig ist wenn ihr Mann von der Arbeit heim kommt. Es sind nur noch ein paar hundert Meter bis zum Haus als sie in der Ferne das Geräusch eines herannahenden Flugzeuges wahrnimmt.
Die junge Mutter erschrickt, denn ein Flugzeug am Himmel bedeutet nichts Gutes.
Es ist das Jahr 1944 und es kann nur ein englisches oder amerikanisches Flugzeug sein. Deutsche Flugzeuge sind in dieser Gegend schon lange nicht mehr anzutref-fen. Ohne lange zu überlegen schiebt sie den Kinderwagen in den Graben, der am Straßenrand lang läuft. Gerade noch rechtzeitig, denn schon hört sie das Rattern der Maschinengewehre. Der Pilot versucht also ein vermeintliches Mündungsfeuer zu erwidern. Die tief stehende Sonne muß ihm diesen Eindruck vermittelt haben, die sich offenbar in dem Bügel des Kinderwagens gespiegelt hat.
Als ich diese Erzählung hörte, ich war da bereits schon ein 14 jähriger „junger Mann“, war es für mich zunächst unverständlich wie ein Pilot auf eine Frau mit einem Kinderwagen schießen konnte. Im Nachhinein betrachtet war es dann aber doch logisch und verständlich, denn es war Krieg und der Pilot hatte sicher das Mündungs-feuer eines Maschinengewehrs oder ähnliches vermutet und war um sein eigenes Leben in Sorge. Allerdings hatte diese Geschichte für mich für Jahre eine negative Vorstellung über Amerikaner zur Folge. Diese Vorstellung hat sich aber inzwischen grundlegend geändert.
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Seit Jahren ist eine drastische Zunahme von Flüchtlingen aus den ärmeren und ärmsten Ländern der Welt zu beobachten. So weit es mir bekannt ist, sind es in der Hauptsache Menschen aus Afrika und hier wieder aus Regionen, in denen Reichtum und unendliche Armut nebeneinander anzutreffen ist. Ich beschränke mich hier auf die Menschen aus den afrikanischen Ländern.
In der Zeit von 1982 bis 1985 war ich mehrere Male in Nigeria, dem wohl reichsten
nordafrikanischem Land. Um die Verhältnisse hier etwas transparenter zu machen eine Episode, die sich immer wieder abspielt:
Das Flugzeug steht abflugbereit auf dem Rollfeld; ein wohlbeleibter Mann kommt mit einem kleinen Gefolge gemächlich auf das Flugzeug zu und sieht in kurzer Ent-fernung einen ihm wohl gut bekannten anderen wohlbeleibter Mann mit Gefolge. Ein winken und Hallo und dann das für mich Unfassbare:
Die beiden Männer gehen aufeinander zu und umarmen sich innig und es beginnt eine Unterhaltung: Wohlgemerkt, das Flugzeug steht abflugbereit auf dem Rollfeld und ist gut besetzt! Es beginnt eine gelockerte Unterhaltung die etwa 5 bis 7 Minuten dauert. Dann verabschieden sich beide Männer; der erst erwähnte Mann besteigt unser Flugzeug und erst jetzt setzt sich unser Vogel in Bewegung und geht in Start-position.
Hätte ich es nicht selbst erlebt würde ich diese Schilderung für einen dummen Scherz halten. Aber es ist so geschehen und zeigt hier die Verhältnisse und Macht - position der reichen Oberschicht zu dem „schäbigen“ Rest der Bevölkerung, die nur zur Befriedigung der herrschenden Oberschicht dazusein scheint.
Und dann das krasse Gegenteil der armen und ärmsten Bevölkerung:
Meine Beobachtungen beschränken sich auf den Norden Nigerias, also der Region, wo die BOKO HARAM zurzeit Schlagzeilen durch die Verschleppung junger Mädchen und Frauen macht.
In dem Berichtszeitraum war es für uns Deutschen allerdings so etwas wie ein El Dorado und wir waren gern gesehene Gäste. Unsere Aufgabe war es, eine alte Zementfabrik wieder zu beleben und somit für einen kleinen Teil der dortigen Bevöl-kerung etwas Arbeit zu schaffen.
Doch zurück zu der Massenflucht aus Afrika: Selbst in dem reichen Nigeria gibt es Tausende die weit unter der Armutsgrenze „leben“ müssen. Da ist es für mich nur zu verständlich, daß Menschen zu Tausenden versuchen in ein Land zu gelangen, wo „Milch und Honig“ fließt. Woher das Geld für die Überfahrt kommt, ist mir ein Rätsel,
Und dann werden diese armen Menschen von korrupten Geschäftemachern auf Schif-fe verfrachtet, die den Namen nicht verdienen. Ihre Notlage wird schamlos ausge-nutzt ohne auch nur einen Funken von Schamgefühl.
Flüchtlinge die glauben, daß sie in eine bessere Lebenssituation kommen und keine Vorstellung davon haben, was sie erwartet: zu einem hohen Prozentsatz der Tod!
Was haben diese beiden Geschichten nun miteinander gemeinsam? Nun, meine Mutter sprang mit mir in den Graben um den Kugeln des Jagdfliegers zu entgehen:
Sie flüchtete vor dem Flugzeug und ich ja zwangsläufig auch!
Die Menschen aus den ärmeren und ärmsten Gegenden unseren aller Welt flüchten vor dem Hunger und Elend in der Hoffnung, für sich und ihren Angehörigen ein etwas besseres Leben zu erlangen.
Allerdings haben sie dabei einen wichtigen Faktor außer Acht gelassen:
Die Habgier
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